Forschungsdaten? Gibt’s doch schon!
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Bevor neue Daten erhoben werden, lohnt sich die Suche nach bereits vorhandenen. Doch wo findet man Forschungsdaten für die Geschichtswissenschaft? Der Beitrag zeigt zentrale Suchwege, Repositorien, Datenkataloge und Fachportale – von BASE und OpenAIRE über RADAR4Memory bis zu thematischen Angeboten für historische Sozialdaten, Geodaten, Genealogie und Oral History.
Forschungsdatenmanagement (FDM) ist in aller Munde. Es ist ein zentrales Element guter wissenschaftlicher Praxis und wird von Forschungsförderern zunehmend als Voraussetzung für eine Projektförderung gesehen. Ohne Datenmanagementplan (DMP) gibt es kein Geld, so kann man überspitzt sagen, und das ist auch richtig so. Denn ein gutes Forschungsdatenmanagement ist nicht nur dazu da, Forschungsergebnisse transparent, nachvollziehbar und nachnutzbar zu machen, sondern es trägt auch dazu bei, ressourcenintensive Doppelarbeit zu vermeiden. Klar ist außerdem: Auch in den Geisteswissenschaften produzieren und nutzen wir längst Forschungsdaten. Und ihre Bedeutung wird weiter zunehmen, weil immer mehr Quellen digital vorliegen, digitale Methoden neue Daten erzeugen und nicht zuletzt KI der Datafizierung einen weiteren Schub verleihen dürfte.
In der Folge lernen Geisteswissenschaftler*innen neue Abkürzungen, beschäftigen sich mit FDM, erstellen DMP und setzen sich mit FAIR- und CARE-Kriterien auseinander. Wie man dabei möglichst ressourcenschonend vorgeht, haben Anne Baillot, Anja Gerber, Lisa Rosendahl und ich in den „Empfehlungen der AG Greening DH zum ressourcenschonenden Umgang mit Forschungsdaten“ zusammengefasst. Derzeit sind wir dabei, die erste Version der Empfehlungen zu überarbeiten und konziser zu fassen. Und dabei fiel uns eines auf: Wird über Nachnutzung gesprochen, so liegt der Fokus zumeist auf der Bereitstellung von Daten für die Nachnutzung. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist: Nachnutzung nutzen.
Nachnutzung nutzen
Aus ökologischer Sicht wäre es am besten, es würden überhaupt gar keine neuen Daten erhoben, sondern ein Projekt würde mit bereits vorhandenen Daten arbeiten. Mit der Nachnutzung tun sich Geisteswissenschaftler*innen aber noch schwerer als mit dem Erkennen, dass sie überhaupt eigene Forschungsdaten haben und diese folglich managen und publizieren sollten.
Umso wichtiger ist es, vorhandene Forschungsdaten auch tatsächlich zu nutzen. Der Fokus sollte von „FAIR zur Verfügung stellen“ auf „erstmal prüfen, was es schon alles gibt“ vorverlagert werden. Projekte sollten daher immer gründlich prüfen – perspektivisch auch gerne: prüfen müssen – ob „ihre“ Forschungsdaten vielleicht schon erhoben, beschrieben und publiziert wurden. Man kann noch weiter gehen und fragen, ob sich nicht auch die eigene Fragestellung so anpassen lässt, dass ein vorhandener Datensatz dafür verwendet werden kann. Etwa weil man eine Fallstudie plant, die sich auch mit anderen Daten durchführen lässt. Muss ich über Lyon arbeiten, wenn zu Dijon die Sozialdaten aus dem 19. Jahrhundert, die ich benötige, bereits erhoben sind? Das ist nicht so absurd, wie es vielleicht im ersten Moment klingen mag. Bei der Analyse der Presse passen sich Historiker*innen ja bereits gerne bei ihrer Titelwahl an diejenigen Zeitungen an, die digitalisiert zugänglich sind.
Natürlich hat diese Forderung Grenzen: Längst nicht für alle Forschungsfragen sind geeignete Daten vorhanden und zugänglich. Auch werden Forschungsdaten bislang noch zu wenig publiziert, vielleicht auch, weil das Wissenschaftssystem Datenpublikationen nicht entsprechend honoriert. Ob geeignete Daten vorhanden sind, lässt sich allerdings nur herausfinden, wenn man danach sucht.
Wo finde ich Forschungsdaten für die Geschichtswissenschaft?
Doch wo lassen sich Forschungsdaten überhaupt finden? Das scheint – so der Eindruck – vielen gar nicht klar zu sein. In der Literatur zu Forschungsdaten wird dieser Punkt tatsächlich häufig übersprungen. Dabei ist ja durchaus erfreulich, was es schon gibt, und das selbst in einem Fach wie Geschichte. Forschungsdaten? Die gibt’s doch schon. Doch wie findet man sie?
Tatsächlich ist die Suche nach Forschungsdaten nicht ganz einfach. Die Landschaft der Repositorien, Datenkataloge, Fachportale und weiteren Angebote ist unübersichtlich und lässt sich auch nicht immer eindeutig systematisieren. Die folgenden Hinweise erheben daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern sollen erste Schneisen in dieses Dickicht schlagen. Sie konzentrieren sich in erster Linie auf die Geschichtswissenschaft.
Im folgenden stelle ich verschiedene Suchwege und einige besonders hilfreiche Angebote vor1.
Direkte Suche nach Forschungsdatensätzen
Fachübergreifend in Datenkatalogen und Portalen suchen
Suche nach Repositorien: Kataloge und kuratierte Listen
Direkt in Repositorien suchen (Fachübergreifend, Geschichtswissenschaft, Geisteswissenschaft)
Thematische Datenangebote (Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Geodaten, Genealogie, Oral History)
Repositorien wissenschaftlicher Einrichtungen
Weitere Wege zu Forschungsdaten (Projektwebseiten, GitHub…Datenjournale, Rezensionsorgane und NFDI Helpdesks)
Ein Kurzresümee
Weiterlesen
Direkte Suche nach Forschungsdatensätzen
Aus meiner Sicht ist die direkte Suche nach Forschungsdatensätzen die einfachste Variante. Eine integrierte Suchmöglichkeit nach Datensätzen für die Geschichtswissenschaft gibt es derzeit allerdings noch nicht. Doch es existieren zentrale Sucheinstiege, die Metadaten von Repositorien für Forschungsdaten zusammenführen.
BASE
Eine erste Anlaufstelle kann BASE (Bielefeld Academic Search Engine) sein. Die Suchmaschine verzeichnet Open Access Publikationen, darunter auch Forschungsdaten. BASE hat über 12 000 Datenlieferanten aus aller Welt und durchsucht außerdem fortlaufend Datenrepositorien, Metadaten von Crossref und viele weitere Anbieter. Mit dabei sind u. a. Metadaten der Repositorien Zenodo und Nakala, die weiter unten aufgeführt werden.
Suchtipp: In der erweiterten Suche bei Dokumentenart das Häkchen oben bei „Alle“ entfernen und nur „Forschungsdaten“ anklicken. Ein Schlagwort oder Stichwort für den Titel eingeben, z. B. Napoleon, und schon gibt es Ergebnisse!
OpenAIRE Explore
OpenAIRE Explore ist ein europäisches, fachübergreifendes Rechercheportal für wissenschaftliche Publikationen, Forschungsdaten, Software und weitere Forschungsoutputs. Auch hier lässt sich die Suche gezielt auf Forschungsdaten einschränken.
Isidore
Wer sich wie ich für französische Geschichte interessiert, kann bei der OA-Suchmaschine Isidore fündig werden. Sie hat den Vorteil, dass sie auf Geistes- und Sozialwissenschaften spezialisiert ist. Für die Suche speziell nach Forschungsdaten kann man auch hier in der erweiterten Suche (advanced search/recherche avancée) die Ergebnisse einschränken auf „datasets“ (jeu de données).
Google Dataset Search
Google Dataset Search ist die Suchmaschine von Google speziell für Datensätze, die hier zumindest erwähnt werden soll, weil sie niedrigschwellig zu nutzen ist. Google greift auf strukturierte Metadaten der Datenanbieter zurück, doch ist die Abdeckung weitaus weniger kontrollierbar als bei den kuratierten Diensten. Wird hier nichts gefunden, heißt es nicht, dass es nichts gibt!
Fachübergreifend in Datenkatalogen und Portalen suchen
4Memory Data Space
Der Datenkatalog befindet sich noch im Aufbau und soll perspektivisch verteilte Datensammlungen für die Geschichtswissenschaft verbinden und übergreifend in einem Knowledge Graph durchsuchbar machen. Einen ersten Überblick für die Geschichte bietet derzeit die im Auftrag von 4Memory erstellte und bei Zenodo publizierte Sammlung von Portalen, Repositorien, digitalen Archiven, Datenaggregationsdiensten und Beispieldatensätzen2.
Text+ Registry
Das Konsortium für die textverarbeitenden Geisteswissenschaften betreibt mit Text+ Registry einen zentralen Katalog für text- und sprachbasierte Ressourcen, die aus unterschiedlichen Datenzentren und Quellen stammen. Man kann dort übergreifend oder getrennt nach Editionen, Korpora und Textsammlungen sowie nach lexikalischen Ressourcen suchen.
Fachinformationsdienste
Eine Anlaufstelle können auch die Fachinformationsdienste sein: Im Discovery-System des FID Romanistik beispielsweise kann man nach Forschungsdaten filtern, siehe Seite „Suche nach Forschungsdaten“. Im FID der Geschichtswissenschaften kann man Forschungsdatensätze jetzt über den Meldedienst der BSB für die Deutsche Historische Bibliografie melden, aber noch nicht gezielt danach suchen.
Die Seite Forschungsdaten.info bietet außerdem einen Überblick “Fachinformationsdienste mit FDM-bezogenen Angeboten“, über die man Infos für das “eigene” Fach findet.
Suche nach Repositorien: Kataloge und kuratierte Listen
Für Puristen ist der Weg über die Suche nach Fachrepositorien oder Datenzentren und die Nutzung des jeweiligen lokalen Katalogs sicherlich die bevorzugte Lösung vor BASE und Co. Das sind mögliche Anlaufstellen:
Übersichtskataloge
Ein erster Sucheinstieg auf der Suche nach thematisch passenden Repositorien sind Übersichtskataloge. Zwei seien hier genannt.
Re3data https://www.re3data.org
Suchtipp zur Erinnerung: Hier wird nach Repositorien gesucht, nicht nach Datensätzen. Das heißt: Dort in der Suche nicht Napoleon eingeben wie in meinem Beispiel oben (was zu Null Treffern führen würde) sondern „social history“ oder „animal history“.
Man kann auch die Facetten der „Subjects“ nutzen, um sich beispielsweise nur die Repositories in Geschichte (146) oder in Mittelalterlicher Geschichte (13) anzeigen zu lassen.
OpenDOAR Directory of Open Access Repositories, https://opendoar.ac.uk/
Ein weiterer Übersichtskatalog allgemein für Open Access Repositorien. Scheint aber weniger vollständig zu sein, denn die Suche nach „social history“ liefert einen3, die nach „animal history“ keinen Treffer.
Kuratierte Listen/Registries
Außerdem existieren kuratierte Listen: NFDI4Memory hat eine Übersicht von Forschungsdatenrepositorien mit Relevanz für die historisch arbeitenden Wissenschaften zusammengestellt und bei Zenodo publiziert4. Für die Bereiche Architektur, Tanz, Film, Media Studies etc. bietet NFDI4Culture eine Kuratierte Repositorienliste. Gelistet werden Repositorien, die Publikations- und Archivierungsdienste für Forschungsdaten aus dem Bereich des kulturellen Erbes bieten. Daneben gibt es noch ein Registry für Forschungswerkzeuge und Datendienste von NFDI4Culture, über dessen Eingabemasken auch Repositorien gemeldet werden können. Im Vergleich zur Repositorienliste werden hier aktuell zwei Ergebnisse mehr unter Datenrepositorien angezeigt…
Direkt in Repositorien suchen
Fachübergreifend
Zenodo
Zenodo ist nicht ausschließlich für die Geisteswissenschaften erstellt, wird dort aber häufig für die Publikation abgeschlossener Datensets genutzt, die langfristig verfügbar sein und eine DOI erhalten sollen. Zenodo ist seit 2013 am Start, gegründet als gemeinsames Repositorium für die von der EU finanzierte Forschung. Die Suche liefert meist viel zu viele und ungenaue Treffer. Helfen kann der Suchguide. Wie erwähnt liefert Zenodo Metadaten an BASE.
Geschichtswissenschaft
RADAR4Memory
Das im Rahmen von NFDI4Memory angebotene Repositorium RADAR4Memory ermöglicht die Veröffentlichung mit DOI und langfristige Sicherung (mind. 25 Jahre) von Forschungsdaten aus den historischen Wissenschaften. Es ist erst seit kurzem am Start5. Aktuell sind daher noch vergleichsweise wenig Datensätze vorhanden. Damit sich das ändert, sei für Datengebende auf den Quickstartguide verwiesen.
OstData
Für die interdisziplinären Osteuropastudien – darunter historisch Forschende und Slavist*innen – bietet der FID Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa im Rahmen seiner osmikon-Dienste das Forschungsdatenrepositorium OstData an, das ebenfalls auf RADAR läuft
Geisteswissenschaften
RADAR4Culture
Ebenfalls beim FIZ Karlsruhe gehostet wird das Repositorium RADAR4Culture des NFDI4Culture mit Forschungsdaten insbesondere zu Architektur, Kunst und Musik, Theater, Tanz, Film und Media Studies.
DARIAH-DE Repository
Das DARIAH-DE Repository ist ein deutsches Repositorium speziell für die Geisteswissenschaften. Es ist mit dem internationalen CoreTrustSeal ausgezeichnet und vergibt DOI sowohl für Sammlungen als auch für einzelne Datensätze. Das Repositorium steht international für die Nutzung entweder über eine föderierte Anmeldung oder einen DARIAH-Account offen.
Nakala
Nakala ist ein französisches Repositorium speziell für die Geisteswissenschaften. Die Suche nach Napoleon liefert hier 834 Treffer (bei BASE vorhin waren es 286, obwohl BASE Nakala mit abfragt; ein Hinweis darauf, dass aggregierende Suchdienste und die direkte Suche in einem Repositorium durchaus unterschiedliche Ergebnisse liefern können).
Thematische Datenangebote
Eine erfolgreiche Suche in re3data und anderen Verzeichnissen führt zu zahlreichen thematisch spezialisierten Repositorien und Datenangeboten. Damit es nicht abstrakt bleibt, seien hier exemplarisch vier für die historische Forschung besonders ergiebige Bereiche herausgegriffen: Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Geodaten, Genealogie und Oral History. Dabei handelt es sich nicht immer um Datensätze, sondern teilweise um „lebendige“ Datensammlungen, d. h. Daten werden geändert und erweitert bzw. ergänzt (wie etwa bei Wiki-Data oder FactGrid):
Sozial- und Wirtschaftsgeschichte
- SAFE – Zeitreihen für historische Statistik: ein Repositorium für wirtschaftshistorische Zeitreihen und Statistiken, bis 2021 bei Gesis.
- World Historical Dataverse: Datenhoster und zugleich Katalog für historische Forschungsdaten der Weltgeschichte.
- CESSDA: Der Datenkatalog aggregiert Metadaten aus über 40.000 sozialwissenschaftlichen Datenarchiven.
Geodaten
Für historische Geodaten gibt es ebenfalls zahlreiche Angebote. Verwiesen sei hier nur auf:
- Virtuelles Kartenforum der SLUB Dresden zur Georeferenzierung historischer Karten,
- HGIS Germany mit historischen Geodaten zu den deutschen Staaten und ihren Verwaltungsgrenzen seit 1648,
- HistoGIS der Österreichischen Akademie der Wissenschaften: eine Plattform zum Sammeln, Erstellen, Kuratieren und Publizieren historischer Geodaten mit Schwerpunkt auf historischen politisch-administrativen Einheiten in Mitteleuropa zwischen 1780 und 1918.
Genealogie
CompGen
Die erste Anlaufstelle für genealogische Forschung ist CompGen mit über 50 Millionen Personendatensätzen (GEDBAS) aus historischen Quellen, darunter Adressbücher, Familienanzeigen, Ortsverzeichnisse (GOV – Geschichtliches Ortsverzeichnis) und Verlustlisten. Allein die zusammengeführte Adressbuchdatenbank umfasst rund 14 Millionen strukturierte Einträge. Auch das sind „lebendige“ Datensammlungen, die fortlaufend ergänzt werden.
Oral History
OH-d: Oral History Digital
OH-d ist eine Erschließungs- und Rechercheplattform und zugleich Netzwerk für Oral-History-Projekte. Der Katalog ermöglicht die übergreifende Suche in den Beständen verschiedener Archive und Forschungsprojekte. OH-d unterstützt auch sammelnde Institutionen und Forschungsprojekte bei der Archivierung, Erschließung und Bereitstellung ihrer Interviewarchive.
Repositorien wissenschaftlicher Einrichtungen
Zahlreiche Universitäten und Forschungseinrichtungen betreiben eigene Repositorien für ihre Angehörigen und für die eigenen Projekte. Es kann sich daher lohnen, gezielt bei Einrichtungen zu suchen, an denen einschlägige Forschung stattfindet. Hier ein Beispiel:
Perspectivia.net
Die Publikationsplattform der Max Weber Stiftung (MWS) Perspectivia.net speichert und verzeichnet seit 2023 auch Forschungsdaten aus den Instituten der Stiftung, darunter sensitive oder rechtebewehrte Daten. In Kooperation mit Text+ werden hier ggf. auch Daten außerhalb der MWS publiziert.
Weitere Wege zu Forschungsdaten
In der Geschichtswissenschaft liegen nachnutzbare Forschungsdaten nicht immer in Repositorien. Man findet sie auch in Fachportalen, digitalen Publikationen, digitalen Editionen, Datenbanken oder bei GitHub und GitLab. Gerade bei älteren Projekten wurden Daten häufig nicht als eigenständige Datensätze publiziert, sondern sind Teil eines digitalen Angebots oder einer digitalen Publikation. Daher lohnt es sich, von einschlägigen Forschungsprojekten auszugehen und gezielt nach den zugrundeliegenden Daten zu suchen.
Ein Beispiel dafür liefern die Projekte des Historischen Datenzentrums Sachsen-Anhalt, das seine digitalen Datenbestände auf verschiedenen Repositorien und in eigenen Forschungsportalen publiziert, darunter etwa das ehemalige Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung und das Biografieportal Sachsen-Anhalt. Außerdem ist das Datenzentrum an einer Reihe „lebendiger“ Datensammlungen beteiligt oder leitet diese Projekte, beispielsweise FactGrid. Die Startseite des Datenzentrums zeigt die Übersicht der Sammlungen.
Die Helpdesks der NFDI geben darüber hinaus sicherlich auch gerne Auskunft!
Datenjournale und Rezensionsorgane
Eine weitere Möglichkeit, relevante Datensätze zu finden, bieten Data Papers, also Publikationen, die Datensätze vorstellen. Die Seite Forschungsdaten.info hat unter Geisteswissenschaften eine lange Liste an Datenjournals und Rezensionsorganen zusammengetragen und liefert auch sonst wichtige Hinweise dazu, wie man Forschungsdaten speziell in den Geisteswissenschaften findet: https://forschungsdaten.info/fdm-nach-disziplinen/geisteswissenschaften.
Beispiele sind das „Research Data Journal for the Humanities and Social Sciences“. Digitale Editionen und Ressourcen werden in RIDE rezensiert, herausgegeben vom Institut für Dokumentologie und Editorik zusammen mit Text+.
Ein Kurzresümee
Nun ist dieser Beitrag doch viel länger geworden, als ich ursprünglich gedacht habe. Das liegt zum einen daran, dass die Suche nach Forschungsdaten gar nicht so einfach ist, wie man es sich vielleicht vorstellt – oder wünscht. Zum anderen zeigt die Länge aber auch, dass bereits viele Forschungsdaten an ganz unterschiedlichen Orten und seit vielen Jahren publiziert oder zumindest verfügbar gemacht werden.
Das Grundplädoyer bleibt jedenfalls gleich: Forschungsdaten zu suchen sollte ebenso selbstverständlich zur Projektplanung gehören wie ihre spätere Veröffentlichung. Denn bevor neue Daten erhoben werden, lohnt sich die Frage: Gibt’s die vielleicht schon?
Hinweise auf weitere Suchmöglichkeiten und Datenangebote für die Geschichtswissenschaft sind im Kommentarfeld herzlich willkommen.
Weiterlesen
Suche von Forschungsdaten
Redaktion von forschungsdaten.info. „Forschungsdaten finden“. forschungsdaten.info, 10. Februar 2026. https://forschungsdaten.info/fdm-allgemein/finden-und-nachnutzen/forschungsdaten-finden.
Suche nach einem geeigneten Repositorium
Buddenbohm, S., de Jong, M., Minel, JL. et al. Find research data repositories for the humanities – the data deposit recommendation service, in: International Journal of Digital Humanities 1, 343–362 (2021). https://doi.org/10.1007/s42803-021-00030-7.
Über Forschungsdaten (in der Geschichte)
Cremer, Fabian, Lemaire, Marina, Moeller Katrin, Clio-Guide: Forschungsdaten, in: Clio Guide – Ein Handbuch zu digitalen Ressourcen für die Geschichtswissenschaften, hrsg. von Silvia Daniel, Wilfried Enderle, Rüdiger Hohls, Thomas Meyer, Jens Prellwitz, Claudia Prinz, Annette Schuhmann, Silke Schwandt, 3. erw. und aktualisierte Aufl., Berlin 2023–2025, https://doi.org/10.60693/hqgv-qz86.
Hiltmann, Torsten. Forschungsdaten in der (digitalen) Geschichtswissenschaft. Warum sie wichtig sind und wir gemeinsame Standards brauchen, in: Digitale Geschichtswissenschaft, 17. September 2018, https://doi.org/10.58079/nmku.
Beitragsbild: Erstellt unter Verwendung eines Fotos von Martin Steffen, © DHIP.
- Mit Dank an Constanze Buyken, Sven Ködel, Katrin Moeller, Nanette Rißler-Pipka und Lisa Rosendahl für ihre Hinweise und Kommentare zum Beitrag! ↩︎
- Grevelhörster, D.& Körfer, A.-L. (2026). Sammlung von Portalen, Repositorien, digitalen Archiven, Datenaggregationsdiensten und Beispieldatensätzen gegliedert nach Parametern der Datenqualität in historisch arbeitenden Fächern (Versions 1-0) [Dataset]. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18784173 ↩︎
- Emporion. Research Data Hub for Social and Economic History der Staatsbibliothek zu Berlin, emporion.gswg.info. ↩︎
- Koscielniak, M., Siemund, F., & Stanzel, A. (2026). Übersicht von Forschungsdatenrepositorien mit Relevanz für die historisch arbeitenden Wissenschaften (Version 1.1). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.19203870. ↩︎
- Informationen zu Radar4Memory sind hier: https://4memory.de/dienste-ressourcen/dienstportfolio/detail/radar4memory/. ↩︎
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OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Mareike König (19. August 2026). Forschungsdaten? Gibt’s doch schon! Digital Humanities am DHIP. Abgerufen am 6. September 2026 von https://doi.org/10.58079/16o4z


Mir würde noch das hier einfallen: https://iisg.amsterdam/en/data/datasets